„Der Name der Rose“ im Serien-Zeitalter

Bald sind es unglaubliche 40 Jahre her, seit der Weltbestseller von Umberto Eco auf Deutsch erschienen ist. Ich muss zugeben, ich habe es leider nie geschafft, dieses Mittelalter-Epos zu lesen – vielleicht mit ein Grund, weshalb mir die Verfilmung von Jean-Jacques Annaud aus dem Jahr 1986 so gefiel. Eine unheimliche Benediktiner-Abtei in den italienischen Alpen, Mönche wie aus einem Horrorfilm, ein grausamer Inquisitor – und mittendrin der weise Franziskaner William von Baskerville (gespielt vom unvergessenen Sean Connery), der mit der Hilfe seines Novizen Adson versucht, eine mysteriöse Mordserie aufzuklären. Das war (sprichwörtlich) grosses Kino!

Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass auch aus diesem Stoff eine Serie produziert wurde. Aber kann sie neben dem Originalfilm bestehen? In der Serie wird William von Baskerville von John Turturro verkörpert – zweifellos ein grossartiger Schauspieler, aber in dieser Rolle kann er nicht restlos überzeugen. Der feine Humor und die väterliche Warmherzigkeit, mit der Connery die Figur gespielt hat, habe ich schmerzlich vermisst. Ein weiterer Minuspunkt für mich: Im Gegensatz zum Originalfilm, der richtig Mut zu Hässlichkeit hatte, kommt in der Serie alles viel sauberer und adretter daher.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch einige Pluspunkte: die Serie besteht aus 8 Folgen, was für die Spannung (Aufklärung der rätselhaften Morde) vielleicht nicht förderlich ist, aber dafür mehr Einblick gibt in die mittelalterliche Klosterwelt – auch der damals herrschende Kirchenzwist (Franziskaner versus Vatikan) bekommt in der Serie mehr Gewicht.

Ebenso erhält der junge Adson in der Serie mehr Raum, man erfährt seine Vorgeschichte, und seine heimliche Liebesaffäre mit einem Mädchen wird ausgebaut.

Und damit komme ich zu einem weiteren grossen Plus: im Originalfilm war das besagte Mädchen – namenlos und stumm – die einzige weibliche Figur. Einen Namen hat sie zwar auch in der Serie nicht, aber wenigstens darf sie sprechen … wenn auch als Flüchtlingsmädchen in einer fremden Sprache. Zudem sie hat Verstärkung bekommen: mit der Rolle der jungen Anna, die sich am Inquisitor Bernardo Gui für den Mord an ihrer Familie rächen will, kommt eine zweite wichtige Frauenfigur in die Geschichte! Und zwar eine mit Pfeil und Bogen – «Hunger Games» und «Game of Thrones» lassen grüssen …

Mein ganz persönliches Highlight in der Serie ist Rupert Everett – normalerweise auf die Rolle des ewigen Dandy abonniert, spielt er den bitterbösen Inquisitor dermassen überzeugend, dass es eine Freude ist.

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